Wangenerinnen und Wangener geben 873 alte Handys ab

27.8.2021 Wangen im Allgäu. Die VHS Wangen beteiligt sich an der „Handy Aktion“ und hat im zu Ende gegangenen Semester die Wangenerinnen und Wangener aufgerufen, alte Handys abzugeben.

Hintergrund: In deutschen Haushalten liegen etwa 200 Millionen alte Handys in Schubladen. Hochgerechnet auf Wangen wären das mehr als 50 000 Handys. Darin befinden sich zahlreiche Rohstoffe wie Kupfer, Kobalt, Silber, Gold und Palladium. Werden alte Handys nicht recycelt, müssen die Rohstoffe unter bedenklichen Eingriffen in Natur und Menschenrechte neu gewonnen werden.

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„Wir möchten gerne über solche Zusammenhänge informieren. Aber nicht belehrend oder anklagend, sondern durch Mitmach-Aktionen und unmittelbar sinnvolles Handeln“, betont Lorenz Macher, Leiter der Volkshochschule.

873 Handys haben die Wangener seit Februar in der VHS abgegeben. Darin befinden sich 7,8 Kilogramm Kupfer, 130 Gramm Silber und 22 Gramm Gold. Die VHS versendet die Handys nun an die Handy-Aktion. Diese ist ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen aus Baden-Württemberg.

Sie kommen aus der Jugendarbeit, aus Kirche und Zivilgesellschaft, Aktionsgruppen, Fachdiensten und Eine Welt-Organisationen. Von einem entsprechend beauftragten Unternehmen werden die Handys geprüft und eventuell noch vorhandene Daten gelöscht. Dann werden die Handys entweder zur Weiternutzung wiederaufbereitet oder dem Recycling zugeführt.

Spontan konnte die VHS Wangen den Schauspieler Florian Thunemann als Schirmherrn für die Aktion gewinnen. „Ich bin auf dem Weg zur Probe zufällig an all den alten Handys vorbeigekommen und bin sehr angetan von der Aktion. Wir müssen alle für eine gerechtere Welt unseren Beitrag leisten. Hier kann man sehr einfach damit anfangen“, sagt Thunemann, der aktuell bei den Festspielen Wangen zu sehen ist.

Wer auch einen Teil beitragen möchte, kann nach wie vor sein altes Handy in der VHS, aber auch im Wertstoffhof oder Elektrofachmärkten zurückgeben.

Info:

In einem Smartphone sind rund 60 verschiedene Rohstoffe, darunter etwa 30 Metalle, verbaut. Dazu gehören z.B. das aus Coltan-Erz gewonnene Tantal, sogenannte „Seltene Erden“ wie Neodym oder Lanthan und vor allem Metalle wie Gold, Kupfer, Lithium und Kobalt. All diese Rohstoffe müssen aus Gestein gewonnen werden.

Der Abbau von Metallen geschieht im Tagebau, was große Flächen in Anspruch nimmt, unter Tage in Schächten oder Stollen oder auch im Kleinbergbau, der oftmals mit Kinderarbeit verbunden ist. Als sogenannte Konfliktmineralien werden Gold und die drei „Ts“ – Tantal, Zinn (tin) und Wolfram (tungsten) – bezeichnet.

Der Abbau und Handel dieser Rohstoffe trägt in Konfliktgebieten zur Finanzierung bewaffneter Gruppen und schweren Menschenrechtsverletzungen bei.

So zum Beispiel im Osten der Demokratischen Republik (DR) Kongo, von wo vermutlich die Hälfte der Weltproduktion von Tantal (Coltan) stammt.

Viele Minen sind unter der Kontrolle von Milizen, die mit den Gewinnen ihre kriegerischen Aktivitäten finanzieren.

Auch bei anderen Rohstoffen wie zum Beispiel beim Lithiumabbau in Argentinien oder dem Goldabbau in Peru entstehen gewaltsame Konflikte vor allem um die Landnutzung und die Wasserverschmutzung.

Durch die Rohstoffgewinnung entstehen massive Umwelteingriffe und Menschenrechtsverletzungen.

Wälder werden abgeholzt, die Luft wird verschmutzt und täglich werden mehrere Tonnen Gestein gesprengt, um an die Metalle zu gelangen.