Verkehrszähler auch in Memmingen unterwegs

13.8.2015 Memmingen. Sie sitzen auf Klappstühlen am Straßenrand und beobachten die Fahrzeuge. Einen Stift in der einen Hand, ein Zählgerät in der anderen. Auf dem Schoß ein Klemmbrett mit Tabellen.

Stundenlang sind sie im Einsatz, die Verkehrszähler.

An 13 Zählstellen wird derzeit am äußeren Ring und an den Ausfallstraßen das Verkehrsaufkommen in Memmingen registriert. „Von der Nordsee bis Oberstdorf wird heuer im ganzen Bundegebiet gezählt. Alle fünf Jahre gibt es diese Zählung im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums“, erklärt Bautechniker Michael Stahl vom städtischen Tiefbauamt, während er am Bayernring Klick für Klick mit seinem Handzählgerät jeden PKW erfasst.

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Drei Stunden dauert seine Schicht. Gemeinsam mit Urs Keil, Sachgebietsleiter Straßenbau im Tiefbauamt, zählt er die vorbeirollenden Fahrzeuge. Jeder erfasst eine Fahrtrichtung und unterteilt exakt nach PKW unter 3,5 Tonnen, Bussen, LKW über 3,5 Tonnen mit oder ohne Anhänger, nach motorisierten Zweirädern oder Fahrrädern. „Meist zählen Azubis, aber bei Bedarf hilft das ganze Amt mit“, erläutert Keil und schnippt eine Ameise vom Schuh. Das Gras im Grünstreifen an der Ecke zum Kalkerfeld ist voll von den kleinen Tierchen, die beiden Männer ziehen um auf den Gehsteig. Ein Ahorn spendet Schatten bei über 30 Grad am späten Nachmittag.

Die Ergebnisse von Verkehrszählungen sind eine wichtige Grundlage für die Arbeit der beiden Straßenplaner. „Die Zahlen geben ein Bild über die Entwicklung der Verkehrsmenge und der Verkehrsströme, um Straßenbauprojekte zu priorisieren“, erklärt Keil. Ein orangefarbener PKW des Tiefbauamts fährt vorüber, die Fahrerin winkt. „Unsere Kollegin Angelika Schatz kontrolliert, ob alle Zählstellen besetzt sind“, bemerkt Keil und grüßt zurück.

Angelika Schatz organisiert die Verkehrszählung. Bei ihr werden die beiden später ihre ausgefüllten Tabellen abgeben. Die Bauzeichnerin leitet die Zahlen dann weiter an die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). „Die Ergebnisse kann jeder Bürger im Internet einsehen. Etwa ab dem Frühjahr 2016 steht das Resultat der aktuellen Zählung auf der Webseite www.baysis.bayern.de“, informiert Schatz.

Eine Gruppe Trikes biegt in den Bayernring ein. „Die nehme ich zu den Motorrädern“, sagt Stahl. Nach einer Stunde sind Richtung Schuhmacherring elf Motorräder gezählt, 347 PKW, 26 LKW mit Anhänger, sieben ohne, ein Bus und 12 Fahrräder.

Neben der Zählung für das Bundesministerium gibt es im Stadtgebiet auch regelmäßige Verkehrszählungen des Tiefbauamts. Teilweise mit Befragung, woher und wohin die Fahrer unterwegs sind. Meist aber würden technische Zählgeräte eingesetzt, erklärt Keil.

„Wir hängen kleine graue Kästen auf, die die Fahrzeuge mit einem Radar erfassen. Und auch die Anzeigetafeln, die den Fahrern die Geschwindigkeit zeigen, zählen den Verkehr.“ Oft würden diese Geräte auch auf Anfrage von Bürgern aufgehängt. „Wenn uns jemand anruft, dass in seiner Straße die Autos alle zu schnell fahren, messen wir die tatsächliche Geschwindigkeit und die Verkehrsmenge.“

Bei der aktuellen Zählung für das Ministerium seien auch zwei Leitpfosten mit integriertem Zählwerk eingesetzt, informiert Keil. Im April gab es bereits einen ersten Zählblock. Jetzt werde der Verkehr an Ferientagen ermittelt und Ende September werden die Verkehrszähler noch einmal an ausgewählten Wochentagen und Tageszeiten am Straßenrand sitzen und die Fahrzeuge beobachten.