Hauptamtsleiter Hermann Weinschenk geht in den Ruhestand

28.4.2021 Wangen im Allgäu. Immer ganz nah am Stadtgeschehen: Nach mehr als 40 Jahren im Dienst der Stadt Wangen geht Hauptamtsleiter Hermann Weinschenk in diesen Tagen in den Ruhestand. Im Gespräch blickt er zurück auf seine Anfangszeiten im Rathaus und voraus auf Pläne für die Zukunft.

Beinahe hätte sich Hermann Weinschenk nicht bei der Stadt Wangen vorgestellt. Denn er war viel zu spät dran, als er sich im Dezember 1979 beim damaligen Oberbürgermeister Dr. Jörg Leist und dessen Stellvertreter Gerd Locher einfinden sollte. Der Grund: Der 23-Jährige versah als Zeitsoldat in Ummendorf bei Biberach an der Riß seinen Dienst.

Aus Wasseralfingen (Ostalbkreis) stammend hatte er noch kein Gefühl für die Entfernungen in Oberschwaben und dem Allgäu und verließ sich auf den Rat, dass die Strecke in einer guten halben Stunde zu fahren sei. Als er merkte, dass er niemals pünktlich sein würde, überlegte er, ob er überhaupt noch antreten sollte.

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Nachdem er sein Auto verbotenerweise auf einer Sperrfläche auf dem damals noch vom Verkehr betroffenen Marktplatz geparkt hatte, tat er es dann doch und wurde auch direkt eingeladen, sich dem Gemeinderat zu präsentieren. Aus heutiger Sicht betrachtet hat sich der Mut gelohnt – für beide Seiten.

Akribischer Fachmann

Hermann Weinschenk hat sich – und das ging auch aus den Wortmeldungen im Gemeinderat am vergangenen Montag hervor – in all den Jahren den Ruf des akribischen Fachmanns auf seinen Gebieten erworben, der sein Wissen stets zügig, präzise und gut verständlich weitergibt.

„Ich habe das als großes Kompliment verstanden“, sagt er sichtlich erfreut. Akribie ist in der Hauptverwaltung ein äußerst nützlicher Charakterzug: Zum Beispiel, wenn es um die Vorbereitung der Wahlen geht. Für den ordnungsgemäßen Ablauf von der Wahlinformation aller Wahlberechtigten, über die Abwicklung im Wahllokal bis hin zur Feststellung des amtlichen Endergebnisses trägt das Hauptamt die Verantwortung.

Ganz am Anfang seiner Amtszeit war der baldige Pensionär froh, mit Waltraud Schwarz eine Mitarbeiterin an der Seite zu haben, die das Fachgebiet bereits kannte. „Sie hat mich mitgenommen“, sagt er. Nach fast 40-jähriger Erfahrung sagt er: „Das ist kein Hexenwerk. Wichtig ist, dass das Geschäft auf mehreren Schultern verteilt ist.“

Zu den wirklich schwierigen Entscheidungen zählt er etwas ganz Anderes: Im Hauptamt ist zu prüfen, ob bei bestimmten Entscheidungen des Gemeinderats Befangenheiten festgestellt werden müssten. Das erfordere manchmal sehr genaues Hinschauen.

Am Puls der Rathaussanierung

Als Hermann Weinschenk am 2. Januar 1980, also gerade zwei Wochen nach seiner Vorstellung, zunächst als Sachbearbeiter den Dienst in Wangen antrat, bezog er ein kleines Zimmer im ersten Stock des Rathauses.

Das Zimmer wird noch heute als Büro genutzt, das zugehörige Vorzimmer jedoch ist im Zuge der Sanierung des Gebäudes Anfang der 80er Jahre einem Treppenaufgang zu den Besprechungsräumen gewichen. Weinschenk war von den Arbeiten, die quasi über seinem Kopf stattfanden, direkt betroffen. „Da hat manchmal alles gebebt, wenn über uns ein T-Träger eingezogen wurde“, sagt er.

In den 1980 und 90er Jahren konnte die Stadt Wangen das Ritterhaus, in dem heute die Kämmerei untergebracht ist, und das Hinderofenhaus am Marktplatz erwerben. Für ihn war das die Chance, mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im zweiten Stock des Patriziergebäudes in Nachbarschaft des Rathauses einzuziehen. Und spannend sei es im Vorfeld bis zur Entscheidung im Gemeinderat obendrein gewesen.

Amt mit großem Überblick

Überhaupt: Im Hauptamt sei man bei allen Themen wegen der Sitzungsvorbereitungen und der Protokolle ganz nahe dran und habe deshalb einen sehr breiten Überblick über das Geschehen. So verfolgte Weinschenk mit großem Interesse unter anderem die Sanierung des Weberzunfthauses und die Entwicklung der Sportanlagen in der Stadt, die sich ja aktuell mit den Plänen des Landkreises an der Jahnstraße fortsetzt.

So wie er die räumlichen Veränderungen direkt miterlebte, so machte Weinschenk auch die Entwicklung der Verwaltung vom Schreibmaschinenbetrieb über Einzel-PCs zum Aufbau eines Netzes innerhalb der Verwaltung mit. Die EDV-Abteilung, die parallel aufgebaut wurde, wurde ebenfalls dem Hauptamt angegliedert.

In seiner Zuständigkeit liegen auch Versicherungsfragen, die zentrale Beschaffung und seit einigen Jahren auch die Fachbereiche Personal sowie Jugend, Schulen und Familie. Mit seinem Weggang wird es verwaltungsintern eine Neuordnung geben.

Fachübergreifendes Arbeiten war auch in anderer Hinsicht immer wieder gefragt: In den ersten Monaten seiner Zeit im Rathaus wurde er immer gern gebeten, wenn es darum ging, dass die Uhr über dem Ratloch gewartet werden musste. Dann ging es mit dem Fachmann über Leitern hoch hinauf und die Hinterlassenschaften von Tauben kamen ihnen dabei oft entgegen.

Privat sei früher nach Dienstschluss gerne und alle paar Wochen mal mehr, mal weniger intensiv gefeiert worden. So habe es eine legendäre Geburtstagsrunde gegeben, an der sich reihum das Team im Rathaus beteiligt hatte. Häufig wurde Schwarzwurst gereicht, manchmal tischten die Mitglieder des Kochclub „Lucullus“ Leckeres vom eigenen Herd auf.

Kontakt in die Heimat gut erhalten

Bei aller Verwurzelung in Wangen im Allgäu, die eine so lange Amtszeit mit sich bringt, hat Hermann Weinschenk jedoch immer einen engen Kontakt in seine Heimat gepflegt. An den Wochenenden fährt er oft nach Wasseralfingen, um seine beiden Geschwister abzulösen, die sich sonst um ihre 90-jährige und noch rüstige Mutter kümmern. Dann habe er immer Holzofenwecken oder Brot samt Bergkäse aus Wangen im Gepäck, die von der Familie und Freunden bestellt würden, erzählt er.

Und auch seine langjährige Mitgliedschaft im Verein zum Erhalt der Abteikirche Neresheim, der er sich seit seiner Ausbildungszeit von 1972 bis 1974 in der Gemeinde Neresheim sehr verbunden fühlt, führt ihn immer wieder auf die Ostalb.

„Ich habe als junger Bursche die Anträge für die Landeszuschüsse zur Sanierung der Kirche oft zwischen der Gemeinde und der Abtei hin- und hergetragen“, erzählt Weinschenk. Und auch damals schon war er ganz nah an der Sanierung dran: Er durfte mit aufs Gerüst unter der Kuppel steigen und die Deckenfresken von Martin Knoller in ihrer gewaltigen Dimension zum Greifen nahe betrachten.

Für die kommende Zeit hofft Hermann Weinschenk, dass möglichst bald wieder Reisen möglich sind. Und wo soll es hingehen? Ganz Realist nennt der passionierte Wanderer zunächst die Alpen. Dann aber auch Skandinavien und vielleicht – wie vor Jahren schon einmal – nach Namibia. Sicher will er aber 2024 in Wangen sein und die Landesgartenschau miterleben.

(Quelle: Stadt Wangen im Allgäu – Pressestelle)